Wer in der letzten Zeit einmal über die Henk-Reisen-Internetpräsenz gesurft ist, der hat vielleicht einiges Neues entdeckt: Neue Songs, neue Bandinfos inkl. neuer Musikersteckbriefe, neue Ex-Mitglieder…
Ex-Mitglieder? Richtig! Die Henk-Reisen-Live-Crew ist in den letzten Wochen von sieben auf fünf Personen zusammengeschrumpft. Bass und Rhodes sind seitdem verwaist. Dramatisches gibt es dabei aber nicht zu berichten. Weder hat eine seltene Tropenkrankheit die zwei Mitmusiker plötzlich hingerafft noch wurden in einem erregten Wortwechsel Gehässigkeiten ausgetauscht, keine Krokodilunfälle im Urlaub fanden statt und niemand ist bei einem Unfall mit einem Tanklastzug im Autobahntunnel verpufft.
Nein, in klassischer Henk-Reisen-Manier ging das Ganze unaufgeregt und gentlemenlike über die Bühne. Berthold (bis dahin virtuos am Bass tätig) und Ortlef (formerly known as Meister an Rhodes und Synthesizer) haben ganz unspektakulös erklärt, sich zukünftig verstärkt lieber anderen Projekten widmen zu wollen.
Die frei werdenden Stellen werden aus Respekt und künstlerischer Überzeugung nicht wieder neu besetzt werden. Für die beiden wird künftig der legendäre Dr. Avalanche einspringen, der von den Sisters Of Mercy abgeworben werden konnte. Er wird sich künftig mit Klängen aller Art auf der Bühne austoben können. Mal sehen, wie lange er es bei uns aushält…
Heute komme ich mal mit einer Coverversion um die Ecke. Keine Coverversion der alten Prägung – eine, die an Bierbänken schunkelnden Halbbetrunkenen von einer örtlichen Covercombo um die Ohren gehauen wird –, sondern eine selbstverfasste. „Selbstverfasste Coverversion? ist doch unlogisch! Ist doch Quatsch!“, höre ich da schon mäkeln. Ist aber kein Quatsch. Bei „We Love You All“ bin ich nämlich in der Tat Mitverfasser und Coverversioniér in einer Person.
Der Song stammt aus den Zeiten der Sixties-Inkarnation der wunderbar wandelbaren Band „His Girl Friday“ und wurde gemeinsam von allen Bandmitgliedern – zu denen ich zu dieser Zeit gehörte – im Proberaum entwickelt. Da es His Girl Friday nicht mehr gibt, dieses herrliche Stück Musik aber weiterleben muss, blieb als einzige Chance ein sorgfältiges und liebevolles Aufpäppeln durch – na welche musikalische Ausnahmeinstitution wohl? Klar: Henk Reisen nimmt sich der Einsamen und Verlassenen an.
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Was man manchmal so alles übersieht: Termine, rote Ampeln, unangenehme Bekanntschaften auf der Straße…
Wenn man aber übersieht, dass einem der eigene Downloadserverbetreiber eine tolle Vertriebsmöglichkeit an die Hand gibt, die die Henk-Reisen-Philiosophie perfekt abbildet, dann ist man selber Schuld und muss das dann später gegenüber seinen Lesern und Hörern offen eingestehen. Was hiermit erfolgt.
Worum geht’s? Seit einiger Zeit gibt es hier auf henkreisen.de die Möglichkeit, einzelne Songs oder ganze Gebinde von Musikstücken in Albumform käuflich zu erwerben. Abgewickelt wird die Transaktion über bandcamp.com, die dafür ein zuverlässiges und seriöses Tool zur Verfügung stellen. Bislang musste hier zum Festpreis von 99 Cent pro Song oder 4,99 Euro pro EP zugeschlagen werden. Viel besser zu Henk Reisen passt es allerdings, wenn man – wie problemlos möglich und bislang aus Übersehensgründen nicht genutzt – seinen Hörern die Wahl lässt, wie viel sie zahlen möchten. Fehler sind dafür da, um korrigiert zu werden: So gibt es jetzt die Möglichkeit, die Songs zu einem beliebigen Preis herunter zu laden.
Wer 99 Cent zahlen möchte: Bitteschön!
Wer einen freiwilligen Aufschlag zur künstlerischen Unterstützung draufsatteln möchte: Aber sehr gerne doch!
Wer gar nicht bezahlen möchte: Aber klar, auch möglich!
Man kann die Musik nämlich auch umsonst herunter laden und muss dafür lediglich seine Mailadresse angeben – die dann ausschließlich von Henk Reisen für die eher seltenen Newsletter verwendet wird, so dass auch diese “Investition” überschaubar ist.
Change it, (ver)ändere es! Der neueste Zugang im Henk-Reisen-Kosmos gehört in die Kategorie Agit-Prop: Eine einschmeichelnde Melodie trägt den Aufruf, sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Bürgerengagement statt Bevormundung, Teilhabe statt Gleichgültigkeit, “wir alle” statt “die da oben”. Angesichts der in jedem Henk-Reisen-Song mehr oder weniger deutlich vorhandenen Bezüge zur Musik der Sechziger sicherlich kein allzu ausgefallenes Motiv.
Wer daraus jetzt eine Aufforderung zum Generalstreik ableitet: Bitteschön! Wer meint, er müsse in eine Partei eintreten: Warum nicht? Wer sich der nächsten Bundesversammlung als Präsidentschaftskandidat stellen möchte: Aber gerne doch! Wer hingegen einfach nur in Ruhe Musik hören, den Stellvertreter-Empörungs-Effekt mitnehmen und das musikalische Beruhigungsmittel genießen möchte: Korrekt, dafür sind wir Musiker im Jahre 2010 doch da.
Die Zeiten sind nun wirklich lange vorbei, in denen Musik aufwühlen, aufpeitschen und zur Revolution aufrufen wollte, konnte und ohne Peinlichkeit durfte. Heute benutzt man Rock’n’Roll als Taktgeber für die Step Aerobic und hört Hip Hop beim Nordic Walking. Schade, aber: The times they are a-changing. Und auch das bekommen wir wieder verändert, wenn wir nur wollen…
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Old School und New School: Ein Konflikt, der noch Ende der 90er zu wilden Glaubenskriegen nicht nur innerhalb der HipHop-Fraktion unter den Musikliebhabern geführt hat, ist heute längst im allgegewärtigen samplen, retroisieren, zitieren, munteren mischen und zufälligen zusammenkleistern untergegangen. Intertextualität quer über Zeitalter-, Stil und Genregrenzen hinweg ist Trumpf.
So panscht einem aus dem Radio eine Einheitssoße entgegen, die einem die Gehörgänge dermaßen verkleistert, dass man oft nur noch zwei Möglichkeiten hat: Die Kapitulation in Form von akustischer Unterwerfung unter die nach Maßstäben der geringsten Hörerverprellung zusammengestellten Programmschemata – oder die gelebte Umsetzungs des Ärzte-Klassikers “Radio brennt”. Angesichtes meines schönen alten Küchenradios fällt letztgenannte Alternative zwar aus, aber eben dieses “Aus” ist oftmals auch das entscheidende Stichwort im Umgang mit eben jenem Audiomöbel.
Nun wäre dieser schnucklige kleine Musikblog sicherlich der letzte Ort, an dem man eine ernsthafte Kritik am Zusammenkauben und Neuverschrauben, an intertextuellen Bezügen und Selbst- wie Fremdreferenzialität vermuten und erwarten darf. Im Gegenteil: Hier werden Hoch-, Runter- und Querverweise groß geschrieben und das Neukombinieren von Bekanntem zelebriert. Der Unterschied: Wem’s hier bei henkreisen.de nicht gefällt, der soll gefälligst woanders surfen. Mit dieser Maxime ist aber kein kommerzielles Radio zu betreiben.
Was hat das ganze mit einem neuen Song zu tun? Why Not Win”, das neuste Produkt aus dem Hause Henk Reisen, soll genau nach diesem Motto zusammenbringen was eigentlich nicht zusammen gehört: HipHop-mäßig Electro-Dums mit ungeölt quietschender Wah-Wah, analoge Vocal-Orgie in “0oohs”, “Aaahs” und “Sha-La-Las” mit digitalem Geschnörkel. Ich hoffe natürlich trotzdem, dass es gefällt
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Wenn ich mir die Kommentare zu meinen Blogeinträgen ansehe, denke ich manchmal, ich schreibe in den leeren Raum und ob und was ich schreibe, ist leztlich völlig wurst, da es eh keinen interessiert. Ganz anders denke ich, wenn ich mir die Zugriffszahlen für diese kleine Webpräsenz anschaue: Monat für Monat werden im Durchschnitt über 5200 Seiten angesehen (Pageimpressions), über 2600 Besuche (Sessions) kann ich verzeichnen!
Ich muss das ganze zwar erst einmal Paroli laufen lassen, aber bis dahin sage ich ganz im Sinne von Horst Hrubesch schon mal genau ein Wort: Vielen Dank!
„Sie sind neu! Sie sind frisch! Sie sind Softwarekabel!“
Diese jubelarienartige Zeitungsüberschrift haben wir wohl alle auf den Titelblättern der meinungsbildenden Druckindustrie vermisst, die ein neues Projekt von Henk Reisens Henk in Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Künstler und Junk-Mail-Mastermind Spoxo hätten ankündigen können. „Jimbob Pippilotta“ heißt die erste Single, die ab sofort zum käuflichen Download in allen gängigen Downloadshops zur Verfügung steht.
Softwarekabel schenken der Welt aber nicht nur einen brillanten neuen Song, sondern ganz nebenbei auch noch eine ganz neue Kunstform: Das Video zu „Jimbob Pippilotta“ wurde als erstes Video der Welt in der neuen Spovie-Technologie produziert. Als Trägermedium dient der klassische Tesafilm, mit dessen Hilfe Pigmente von Illustriertenseiten abgetragen und in collagierter Form rekombiniert werden – Lo-Fi-Sampling für die Augen, sozusagen.
Weitere Infos und die Downloadlinks für Softwarekabel gibt es unter www.softwarekabel.com.
Montag, 29.März, 11.20 Uhr in der “Kraak van van Dam“, Oosterbierum, Friesland, Niederlande: Mit Feuereifer setzt sich ein Mann an seine Gitarre und findet ein kurzes Riff, dass er nur zwei Wochen später mit weiteren Instrumenten und Gesang garniert unter dem Titel “Round & Round” auf seiner Internetseite veröffentlichen wird.
Dem fertigen Song wird man später nicht anhören, dass das verzerrte Gitarrenbrett keinesfalls von einer E-Gitarre, sondern von einer Konzertgitarre geliefert wird, die durch eine Speakersimulation gejagt wurde (Großartig! Ob ich diesen bissigen, ambivalenten Sound mit einer Stromgitarre auch so hinbekommen hätte?!?). Auch ein weiteres kleines Entstehungsanekdötchen kann man kaum heraushören, so dass man auf das bereitwillige Aus-dem-Nähkästchen-Geplauder des Verursachers angewiesen ist (was angesichts vorhandener eitler Geschwätzigkeit nicht lange auf sich warten lässt): Beeinflusst von einer gerade zu Ende gelesenen Sonic-Youth-Biographie habe ich mich gitarristisch einmal auf dem Feld der alternativen Stimmmethoden umgesehen. Bei “Round & Round” kommt also eine F#-F#-F#-F#-B-E-Stimmung zum Einsatz.
Wer aus der raschen Übertragung des Gelesenen in den eigenen Sound jetzt schließen möchte, dass ich ob der im Anschluss erfolgten Lektüre der Autobiographie von James Last nun schon über Big-Band-Arrangements brüte, liegt zwar falsch, ist aber dennoch herzlich eingeladen, eine kostengünstige aber spielfreudige Big Band zu vermitteln. Schön wär’s schon…
Instrumentarium: Haupt- und Hintergrundgesänge, verzerrte und unverzerrte Akustikgitarre, Comboorgel, Synthesizerflächen und -streicher, Orgelbässe, Händeklatschen, Schellenkranz und sonstiges Rhythmusgedengel, programmiertes Schlagzeug
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